[DE] Plan für diesen (einen) Tag: Kurzer Stadtbesuch in Santa Fe, kleiner Hike im Bandelier National Monument und dann direkte Fahrt in den Norden von Colorado nach Fort Collins (ca. 650 Km), wo mich mein alter Kumpel Mathias aus München bereits erwartet um gemeinsam das Europameisterschaftsspiel von Deutschland am nächsten Tag zu schauen.

[EN] My plan for this (one) day: A short visit to the city of Santa Fe, a hike through the Bandalier National Monument and then a direct ride into the north of Colorado to Fort Collins (400 mi), where my old buddy from Munich, Mathias, is already waiting for me to watch the UEFA soccer game the next day.


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[DE] In Santa Fe zieht sich der typische Architekturstyl durch, nicht nur im Zentrum sondern auch ausserhalb in Wohngebieten finden sich diese Gebäude mit den runden Ecken, die Häuser schauen aus wie aus Sand gebaut. Auf jeden Fall mal was anderes als die typischen Holzhäuser die man im ganzen Land sieht. Auf dem Weg aus der Stadt fahre ich an drei Polizisten am Strassenrand vorbei, vertieft in Ihre administrative Arbeit. Zwei der Polizisten sind von der “Motorcycle Police”, ich lasse es mir nicht mehmen die Herren in ein kurzes Gespräch zu verwickeln. Der eine kümmer sich dann sogleich um meine Neugier über deren Motorräder. Er ist äusserst freundlich aber legt natürlich während des gesamten Gesprächs niemals sein Pokeface ab. Er zeigt mir die komplette Ausrüstung am Bike von Radar über den verkabelten Computer und Drucker bis zum Maschinengewehr das auch mit dazu gehört. Eine 1400er Kawasaki mit rund 250 Kg “Extras”, insgesamt über 500 Kg schwer! Nach kurzem Probesitzen entscheide ich mich dann doch, die Reise mit meiner DR weiterzuführen.

In Whitehorse angekommen sind die vielen plakativen Schilder nicht zu übersehen, dass man nicht zum Bandelier National Monument hochfahren kann, sondern den Shuttle Bus verwenden soll. Na gut, also parke ich meine DR beim Visitor Center. Da es um neun Uhr bereits wieder fast 30°C warm ist, entschliesse ich mich meiner Motorradklamotten zu entledigen, diese auf dem Motorrad zu deponieren und mich in leichtere Schale zu werfen. Das kostet mich dann auch gleich den Shuttle, der mir praktisch vor der Nase wegfährt. Ich sehe bereits wie sich die Ankunftszeit in Fort Collins verschiebt, aber manchmal will ich mir halt doch etwas anschauen.

Zum Bandelier National Monument sprechen die Fotos eine bessere Sprache, es handelt sich um Ruinen und Höhlen von Ureinwohnern welche in den Höhlen in den Klippen gewohnt haben und Höhlenmalerei hinterlassen haben. Natürlich muss es dann auch anfangen zu regnen, was mich nicht stört. Ich hoffe nur, dass es in Whitehorse, wo meine Motorradkleidung offen auf dem Motorrad liegt, nicht auch geregnet hat.

Selbstverständlich hat Petrus auch dort keinen Halt gemacht und meine Schutzkleidung einmal schön angenässt. Da es kurz vor Abfahrt (ca. 13:00) wieder anfängt zu regnen streife ich also über die feuchte Motorradkleidung die Regenkleidung. Frei nach dem Motto aussen nass, innen auch.

Als ich die Staatsgrenze zu Colorado erreiche, befand ich mich bereits auf einem riesigen Tal-Plateau welches auf fast 3000m lag, entsprechend kommt zum Regen auch eine deutliche kühlere Temperatur von bis zu 10°C hinzu. Ich kämpfe mich also wacker durch den Regen, auf der wohl bisher längsten geraden Strasse die ich bisher gefahren bin. Das hätte ich in den Rocky Mountains nun als letztes erwartet!

Nach einer Abendmahl-Pause gegen 19:00 bleiben noch ca. 250 Km bis nach Fort Collins und die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Ich stehe also vor der Wahl in den Rockies zu übernachten oder mich durch die Dunkelheit (hinzukommend zum Regen und der relativen Kälte) zu kämpfen. Ich entscheide mich für letzteres, was offensichtlich nicht ganz ungefährlich ist. Freiwild ist für ein Motorradfahrer bei Dunkelheit ein besonderes Risiko, welches ich teilweise versuche auszuschliessen, indem ich einem Auto hinterherfahren würde. Wenn da nur welche Autos gewesen wären! Die hunderten von Autos auf der Strasse in Richtung Denver sind alle unterwegs ins Wochenende in den Rockies.

Ich fasse zusammen: Dunkelheit, Regen, blendender Gegenverkehr (die Amis fahren fast alle mit Fernlicht). Beste Voraussetzungen also um meiner Konzentration nicht mal den Hauch einer Pause zu gönnen. Dauerndes “Scheibenwischen” mit der Hand, der Blick streng fokussiert auf die teilweise kaum erkennbare Seitenlinie, durchs Scheibenwischen verschmierte Insekten auf meinem Visor, was bei dem blendenden Gegenverkehr zu einem “Instrumentenflug” (GPS zeigt die kurven an) ausartet. Ohne Skrupel schalte ich ungeachtet des Gegenverkehrs das Fernlicht und auch meine LED Zusatzscheinwerfer hinzu, irgendwie muss ich ja sehen wohin ich tuckere. Ich habe keine Zeit den Schmerz in meinem Allerwertesten wahrzunehmen. So habe ich mich also bis nach Denver gelotst.

In Denver steuere ich die Interstate an, um möglichst direkt und schnell nach Fort Collins zu kommen. Zuvor hat der Regen etwas nachgelassen, aber um Denver herum regnet es wieder in Strömen. Zwar habe ich nun keinen direkten Gegenverkehr mehr, dafür Autos die mir von hinten auf die Pelle rücken oder mich mit gefühlt wahnwitziger Geschwindigkeit überholen. Das liegt aber eher daran, dass ich weit entfernt davon bin die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Bei Dunkelheit und Regen fällt es mir schwer die Leitlinien auf der Fahrbahn zu erkennen. Die Taktik sich an die rechte Seitenlinie zu halten funktioniert halbwegs gut, aber die vielen Autobahnverzweigungen mit entsprechender Linienführung machen dies deutlich schwieriger.

Kurz vor Fort Collins, es ist bereits Mitternacht, entschliesse ich mich, auf Empfehlung von Mathias, eine letzte Pause in der historischen Raststätte Johnson’s Corner, einzulegen. Ich gönne mir einen leckeren Milkshake und kaufe ein paar der “weltberühmten” Cinnemon Rolls für Mathias. Am nächsten Tag kann ich dann sagen, dass die Teile wirklich lecker sind.

Um ein Uhr morgens komme ich endlich in Fort Collins an, Mathias empfängt mich vor seiner Wohnung und ich bin froh, es heil geschafft zu haben, aber die Strapazen einer beinahe 11-stündigen Fahrt stecken in meinem Körper und meinem Kopf. Ich werde bestimmt wie ein Stein schlafen und in Zukunft werde ich solche freiwilligen Nachtfahren lieber unterlassen.

 


[EN] Throughout Santa Fe a typical style of architecture is prevalent, even in the outher skirts and living areas. The houses feature round corners and look like they’re built of sand, probably some kind of sandstone to keep the inside cool. On my way out of the city I pass three policemen occupied with some sort of administrative work and blocking off half of the road. Two of them are part of the “Motorcycle Police” so I decide to chat them up to see if I might have a look at their bikes. When parking my motorcycle I can see them looking puzzled at my license plate. I guess it helped to tell them I am from Switzerland to start a conversation and explain my curiousity. One of the policemen seems “happy” to show me his bike. “Happy” because throughout the conversation, although friendly, he never drops his pokerface. That’s just the american way of the police of demonstrating authority. The bike is a 1400 Kawasaki, attached and integrated to it about 500 pounds of extras, radar, lights, a computer and a printer and a rifle or machine gun… I even get the chance to have a test sit on the ~950 pounds bike, I decide to continue my trip with my comparatively featherlight DR :)

Arriving in Whitehorse the number of street signs telling you not to drive up to the Bandelier National Monument are not to be overseen. Obviously it is only accessible by the shuttle bus. Later I would learn the parking site had been washed out by weather, though there were still people up there with their cars. I park my bike at the visitior center and since around 9 o’clock it’s almost 90°F I decide to get rid of my protective gear and put on some lighter clothing for the hike. Of course this meansI just miss the shuttle and have to wait for the next one, seeing the estimated time of arrival in Fort Collins taking it’s turn on the clock. Well, I still want to look at the monument…

The monument is a site of ruins and caves of cavemen, leaving behind some cavepaintings of ceremonies or parties they used to have. Just have a look of the pictures. Of course I am being surprised by some heavy rain, which doesn’t bother me that much. But I am hoping that the rain would not pass through Whitehorse and wet my gear which is laying on my motorcylce. Of course I hoped in vain as I would find out later on.

Getting ready to leave for Colorado around 1pm the rain picks up again, so I put on my rain gear. Slogan for the ride: outside wet, inside too.

Arriving at the CO/NM borderline I alrady have been driving on a huge plateau in the Rockies which has an elevation of 8000-10000 feet, hence temperatures drop down to a relatively cold 50°F, time for some gripheating since the rain has already soaked the leather of my gloves. The plateau is just immensly huge with some “smaller” mountains far away on both sides. I am about to ride the longest straight road I have ridden so far. Certainly I did not expect this to happen in the Rocky Mountains!

7pm, time for a dinner break, remaining distance to Fort Collins around 170 miles. Dusk has started to set in and I can only hope it won’t start to rain again, the clouds speaking a different word though. Besides temperatures dropping below the 50’s (I am already increasing worn layers) riding at night can be a dangerous thing. Animals such as deer which can cross the road anytime, and there is much more deer in the US than in central Europe, are a real hazard. I will try to avoid or at least alleviating this danger by just following a car in a safe but close distance. However, where are those cars heading towards Denver? The hundreds of cars all go in the opposite direction, people getting away from their city lives for the upcoming weekend.

So we have: Darkness, rain and many cars “pointing” their headlights into my face. They seem all to drive with their high beams on, lighting up the raindrops on my visor, which I try to wipe off every few seconds with my hand, resulting in bugs being smeared all over my visor. I can hardly see the road and following the sideline on the road isn’t an easy task in those conditions. I feel like a pilot on a instrument flight, trying to read the upcoming turns on the road on my GPS, but I cannot afford to deviate by just a few feet to many. I don’t care the incoming cars and turn on my high beams and LED auxiliary lights and slowly follow what’s left on any lines on the street in a rather slow fashion. I have literally no capacity to even really notice the stinging pain in my backside.

Getting closer to Denver, the rain finally started to decrease in intensity. Hitting the Interstate to Denver now feels almost relaxing. However just around Denver heavy rain picks up again. Dozens of Interstate junctions confusing me with the barely visible lines on the road, cars tailgating me or overtaking me with a sheer insance speed (obviously it was just me riding far below speed limit) make the task at hand very stressful. Somehow I manage to pick the right lanes on all those junctions and finally I can take the last section of my trip to Fort Collins, even the rain suddenly stops and the pain in my backside becomes more apparent.

Just before Fort Collins I decide to take a last break in a historic rest area, Johnson’s corner. Mathias recommended it because of their “world famous” cinamon rolls. The next day I will be able to say they are really yummy. I drink a very yummy milk shake before I hit the road again, taking a short cut over some grass because I am confused not finding the exit. Then I hit the road which I believe to be the drive in onto the Interstate keeping to the left lane of the road. I realise it’s not yet the drive in and the car behind me is a police car. However they didn’t stop me, maybe they realized I must be a confused foreigner.

Around 1am I finally arrive in Fort Collins and Mathias is receiving me in front of his appartment. Getting off the bike feels like a huge relief, though I still have this almost 11-hour ride tingling in my bones and my head. I will certainly sleep well and in the future I will try not to engage in such vonluntary night rides!